(August 2026) Die Zeitschrift „Auslandsinformationen“ (2/2026) berichtet über eine mögliche Rohstoffpartnerschaft zwischen Bolivien und der EU: Seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Paz Pereira im November 2025 herrscht in der bolivianischen Regierung mehr Interesse an internationalen Kooperationen. Das ermöglicht der EU und damit auch Deutschland eine Partnerschaft mit Bolivien, bei der die dortigen Lithiumvorkommen genutzt werden sollen. Dadurch soll die Rohstoffsicherheit der EU gestärkt werden, die bisher 80 Prozent ihrer Lithium-Vorprodukte aus China bezieht. Eine Zusammenarbeit mit Bolivien ermöglicht der EU mehr Unabhängigkeit, die besonders bei Lithium wichtig ist, das offiziell als strategischer Rohstoff anerkannt wird.
Bisher wurden die Lithium-Vorkommen in Bolivien nicht vollumfänglich genutzt. Gründe dafür liegen nicht nur in der bisherigen Politik und fehlenden Infrastruktur, sondern auch im hohen Magnesiumgehalt der Sole. Dieser stellte bisher ein Problem dar, jetzt soll aber durch technologische Fortschritte die Erschließung des Rohstoffs möglich werden.
Die Bevölkerung Boliviens trug ebenfalls zur bisher ausgebliebenen Lithium-Förderung bei: Die vorherigen Regierungen haben indigene lokale Akteurinnen und Akteure von Lithiumverträgen ausgeschlossen, was zu Widerstand geführt hat. Durch landesweite Proteste kamen schließlich sämtliche neue Lithiumabkommen zum Stillstand.
Die EU möchte nun die Kooperationsbereitschaft Boliviens nach dem Regierungswechsel nutzen, um eine zuverlässige Rohstoffquelle zu erschließen und ein nachhaltiges Industrialisierungsmodell zu fördern. Für Bolivien bestehen die Vorteile der Partnerschaft in wachsender politischer Unabhängigkeit und technologischer Modernisierung.
Dennoch bleiben Risiken: Die aktuelle politische Einstellung ist nicht unumstößlich. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz eines Abkommens durch indigene und bäuerliche Gemeinschaften und die geopolitische Durchsetzungsfähigkeit beeinflussen den Erfolg der internationalen Rohstoffpartnerschaft zwischen Bolivien und der EU.
Info: Stolte, Christina: Wann, wenn nicht jetzt? Warum eine Rohstoffpartnerschaft mit Bolivien im Bereich Lithium für Deutschland und Europa strategisch entscheidend ist. In: Auslandsinformationen 2/2026. S. 35–44. Hrsg. Von Konrad-Adenauer-Stiftung e. V., Klingelhöferstraße 23, 10785 Berlin, Tel. 030 269963388, auslandsinformationen[at]kas.de